Schuhe erzählen vom Leben

» Pfarrer Stefan Korn

Ach herrje! Was für Schuhe! Schauen Sie sich einmal das Bildan. Da können doch unsere schönen Füße nicht rein.Diese Schuhe – wie ausgetreten und ganz schön vorne verbeult.Aber gerade so: Symbol für die Geschichte eines Menschen. Washaben diese Schuhe alles schon mitgemacht. Dieses PaarSchuhe erzählt eine Geschichte, die Geschichte eines Lebens,eines Menschen, der diese Schuhe getragen hat.Diese Schuhe können unglaublich viel erzählen.Wie viele feste Schritte sind sie gelaufen?Was haben diese Schuhe alles gesehen! Durch Wälder und überBerge und steinige Wege, auf die Höhe eines Berges sind sie ge langt. Und wieviel Sonne haben diese Schuhe genießen können?Sie sind mitgegangen auf steilen Wegen, aber auch angekom men an Zielen, einer Berghütte oder an einem See. Oder aneiner Almhütte zur Rast und zum Verschnaufen.Abgetretene Schuhe. Und manche Schramme haben sie sich zu gezogen.Ich liebe diese ausgetretenen Schuhe. Es spricht das volle Lebenaus ihnen. Grundehrlich.Sie beschönigen nichts.Die Schuhe haben bestimmt auch viel Schönes erlebt. Sie habenschlichte, ruhigen Strecken erlebt, wenn es dahinfließt dasLeben, in Beschaulichkeit und Freude,im Gleichmaß. Und das Wandernfällt leicht. Es sind Augenblicke, indenen vor meinen Augen alles sichglückvoll zusammenfügt. Wo mir klarist, auf welches Ziel die Dinge zulau fen, welchen Ursprung sie haben. Esliegt am Tag, wo es mit mir hinaus will. Ich laufe in diesen Schuhen mei lenweit, ohne Mühe.Klare Sicht. Kein Stolpern. Nirgendwodrückt der Schuh. Wenn wir es jetztgut haben, dann wollen wir unsfreuen.Es kommen auch wieder andereTage. Einsturz meiner Verhältnisse,meiner Beziehungen. Plötzlicher Ver lust, Seelenkummer.Die ausgetretenen Schuhe, vernarbt,erzählen davon: von Leidvollem. Sie sind abgetragen, aber ge mütlich, sie haben Federn gelassen nach all den Hunderten vonKilometern, aber sie sind gut eingelaufen.Das Leder schon verbeult, verfärbt, geflickt. Aber sie tragen noch.Ich hol mir in diesen Schuhen jedenfalls keine Blasen mehr. Siegehören zu mir.Man muss in die Schuhe reinwachsen, genauso wie ins Leben.Und auch in den Glauben. Man muss in den Glauben hinein wachsen. Zerschlissen, zerrissen auch, ja, auch der Glaube gehtmal in den Keller, wo mir nichts von Gott klar ist. Mein Glaubekann auch so verbeult werden wie diese Schuhe. Wo nichtsmehr glänzt. Ich schramme an, das Schuhleder verbleicht sowie mir mein Vertrauen zu Gott verloren gehen kann, ganz ver bleicht.Aber sieh doch: Du steckst ja immer noch in diesen Schuhen!Bloß nicht diese wertvollen Schuhe wegwerfen in den Contai ner. Sie gehören zu dir. Sie sind voller Geschichte, deiner Ge schichte und deiner Geschichte mit Gott!Es ist dein Leben darin verborgen und bewahrt. Und das ist kost bar. Es erzählt von Freude und Trauer. Von Gott, der meinenFuß nicht gleiten läßt (Ps 121).