Befiehl dem Herrn deine Wege…

Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn;
er wird’s wohl machen. (Psalm 37, Vers 5)

Dieses Psalmwort wird bei den meisten von uns das Lied Paul Gerhardts in den Sinn oder besser in die Ohren und ins Herz rufen.
Paul Gerhardt, der in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts lebte hat zu diesem Psalmwort das Lied gedichtet „Befiehl du deine Wege“. Sie finden es im Gesangbuch unter der Nummer 361. Es gehört zu den wichtigen Chorälen unserer evangelischen Kirche.
Und das verwundert ja auch nicht: denn dieses Wort berührt uns Menschen. Es beschreibt wichtige Aspekte unseres Lebens und unseres Glaubens: Die Suche nach Schutz und Frage nach meinem Gottvertrauen.
Oft wird dieses Lied gesungen, und so begleitet der Psalmvers Menschen in allen Lebenslagen: ob als Konfirmationsspruch oder als Lied bei einer Beerdigung. In allen Lebenslagen wünschen wir uns Schutz, und so soll dieser Vers Zuversicht und Hoffnung geben: „Hier ist er, dieser Beschützer: Vertraue auf Gott, er wird’s wohl machen!“ so sagt es der Psalmbeter.
Gottvertrauen – das klingt so leicht und kann doch so schwer sein!
Meinen Lebensweg „dem Herrn befehlen“, d.h. diesen Weg ganz in Gottes Hand legen, ist anstrengend. Zum einen, weil dieser Weg so manches mal nicht so verläuft, wie ich es mir eigentlich wünsche.
Zum anderen, weil ich selbst gefordert bin, aktiv zu werden: „Befiehl du dem Herrn deine Wege…“ sagt der Psalmbeter: „Geh deine Wege und vertraue darauf, dass Gott dich begleitet!“
Aber zugleich schwingt in diesem Vers auch immer eine Prise Trost und Zuversicht mit:
Ich stelle mir die verschiedenen Lebenslagen vor, in die dieser Vers spricht: Dann höre ich im Konfirmationsspruch eine Aufforderung: „Lauf los und gestalte dein Leben – und vertraue auf Gott, der es wohl machen wird!“. Oder im Alltag, in dem das Vertrauen auf Gott manchmal untergeht, höre ich: „Denke daran: dieser, dein Weg ist gut, wenn du auf Gott hoffst!“ Oder bei der Beerdigung eines lieben Menschen:
„Hoffe auf Gott, er wird deinen Weg begleiten.“
Für viele von uns bedeutet der Sommer auch ein Innehalten: sei es wegen der Schulferien, sei es wegen eines Urlaubs oder weil es auch für die, die hier geblieben sind, ein bisschen ruhiger war.
Und dann begeben sich die meisten wieder auf den Weg: in die Schule, in den (Arbeits-)Alltag, in den Herbst. Da ist es gut, sich zu stärken mit der Gewissheit, dass ich diesen Weg nicht alleine gehe. Es bleibt mein Weg mit Gott.
Schlagen Sie das Gesangbuch ruhig einmal auf und lassen sie sich berühren von den Worten und der Melodie, mit denen der Dichter Paul Gerhardt und der Komponist Bartholomäus Gesius den Psalmvers für sich ausgelegt haben. Uns allen ein „Gott befohlen“ auf unseren Wegen in der zweiten Jahreshälfte.

Ihre Pfarrerin Esther Immer