CaféNotkirche trifft… Menschen aus Kirche & Gesellschaft
Thema: Seelsorge im Gefängnis
Referent Pfarrer Hauke Faust, Gefängnisseelsorger: „Ich muss einem Gefangenen mitteilen, dass seine Mutter verstorben ist. Ich versuche, ihn in seiner Trauer und in seinen Schuldgefühlen zu stützen. Er fragt mich, ob ich nicht seine Mutter beerdigen könnte. Sie war schon alt, lebte zuletzt sehr zurück gezogen und hatte keinen Kontakt zur Kirche. Sie hatte niemanden mehr außer ihrem Sohn, der inzwischen schon einige Jahre lang in Haft ist. Sie hat ihn regelmäßig besucht und brieflich Kontakt gehalten. Die Bestattung würde durch das Ordnungsamt übernommen. Mir ist es ein seelsorgliches Anliegen, ihm die Bitte zu erfüllen. Ich lasse ihn mit dem Bestatter telefonieren, organisiere mit der Abteilungsleitung die Ausführung des Gefangenen zur Beerdigung, führe das Trauergespräch mit dem Gefangenen und plane die Durchführung der Beerdigung auf dem Friedhof. Wir bekommen die Erlaubnis. Und so gehen wir dann auf dem Weg auf dem Friedhof zum Grab: der Bestatter mit der Urne, der Seelsorger in Talar, der Gefangene, an den Händen gefesselt an zwei begleitenden Vollzugsbeamten. Und am Grab: Psalm, Gebet, Ansprache über ein Bibelwort und seine Auslegung für das Leben der Mutter und des Gefangenen, Vaterunser, Aussegnung der Verstorbenen, Bitte um den Segen für alle Beteiligte. So würdevoll, wie es in dieser Situation möglich ist. Der Gefangene fühlt sich ernst genommen und dankt. Ein Vollzugsbeamter meint: So etwas machen Sie? Das ist aber aufwändig… Ich werde von meiner Arbeit berichten und dabei sowohl die Gefangenen als auch die Institution des Gefängnisses selbst und das Leben in ihm in den Blick nehmen. Kirche in einer besonderen Welt.”
Anmeldung erforderlich: 0203 33 04 90 oder vor Ort im CaféNotkirche
