Jesus – Weltherrscher – selbst Gesandter

Das große Fresko ist um 1160 entstanden und blieb in allen Kriegen unbeschädigt. Eine Rarität. Zu finden in der Basilika des Klosters Knechtsteden bei Dormagen. Im Rahmen des jährlichen Ausfluges für die ehrenamtlichen Mitarbeitenden an der Salvatorkirche, unter der Leitung von Martin Winterberg und mir, haben wir mit eigenen Augen das Werk bestaunen können.
Im Zentrum befindet sich Christus, der Weltherrscher, der Auferstandene und Erhöhte. Seine Füße stehen auf dem Erdkreis. Mit der linken Hand hält er ein Buch, die rechte Hand ist zum Segnen erhoben.
Um ihn herum sind die Symbole der vier Evangelisten gruppiert: Matthäus (Engel), Johannes (Adler), Markus (Löwen), Lukas (Stier).
Links außen steht Petrus, rechts außen Paulus. Paulus schaut verstohlen im Gegensatz zum aufrecht stehenden Petrus. Laut Lukas beaufsichtigte Paulus (Saulus) die Steinigung des ersten christlichen Märtyrers Stephanus (Apg 7,58 ff.). Pater Hermann-Josef Reetz, Rektor der Basilika, erklärt die leicht nach vorne gebeugte Haltung von Paulus für sich so: Er habe aufgrund seiner Tat ein schlechtes Gewissen und quälende Magenschmerzen, was die krumme Haltung erkläre. Er schaut etwas von unten geduckt nach oben, ein wenig peinlich berührt, dass er ein Werkzeug für Christus werden soll, den er doch einst so sehr verfolgt hatte.
Alle Apostel (untere Reihe) halten in der Hand ein Buch als Symbol für die Verkündung des Evangeliums. Es geht um Aufbruch, weil Jesus Christus zu seinen zwölf Jüngern gesagt hat: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum geht hin und macht zu Jüngern alle Völker: Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.”
Ein Auftrag. Eine Sendung. Das steht am Anfang der Kirche. Brecht auf! Geht los! Jesus schickt seine Jünger in die Welt, das Evangelium weiter zu geben. Sie sind Boten. Boten eines anderen. Boten Gottes. Dieser Auftrag, diese Sendung gründet auf einem einzigen Satz: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.” Wer so spricht, der spricht aus voller Autorität. Doch nicht aus Eigenmächtigkeit: mir ist gegeben. Jesus von Nazareth, selbst ein Gesandter. Von Gott in diese Welt gesandt, den Menschen seine Liebe zu künden. Gesandt nach Bethlehem, in den einfachen Stall, zu den Hirten auf dem Feld, zu den Armen; gesandt zu den Aussätzigen vor den Toren, versteckt in den Bergen; gesandt zu den Blinden und Lahmen, zu denen, die nichts sehen, nichts hören, die zu nichts zu bewegen sind; gesandt zu den Gescheiterten und Verlorenen. Jesu Leben war eine Sendung; seine Sendung war Dienst; sein Dienst war Liebe.
Gott hat ihn von den Toten auferweckt. Und nun sendet er seine Jünger. Nun sendet er, der Christus, die, die zu ihm gehören: die Christen. Der Sieg des Lebens ist errungen. Nun ist er aller Welt mitzuteilen. Seine Jünger sollen als Herolde des Sieges in alle Welt ziehen: Menschen zu Jüngern machen, sie taufen und lehren.
Christen haben teil am Leben ihres auferweckten Herrn. Nämlich: so wie Jesus es uns vorgemacht hat, selbst für die Menschen da sein und ihnen das Evangelium der Liebe Gottes weitergeben; sich besonders um die kümmern, die es im Leben schwer haben; ihnen zuhören und mit ihnen sprechen, ihnen helfen, sie heilen, für ihr Recht einstehen. Sie aus dem Schlaf ihrer Gottvergessenheit aufwecken; ihre Augen und Ohren auf Gott ausrichten; ihnen von Jesus Christus erzählen und sie auf dem Weg zu ihm hin ermutigen. Sie durch die Taufe in Christus hinein geboren sein lassen und auf ihrem Weg zu Gott, hinein in das Geheimnis ihres Lebens, zu begleiten. Und miteinander so zu leben, dass in dieser Gemeinschaft die Liebe Gottes spürbar ist. Das ist Gemeinde. Das ist Kirche, wie Jesus sie gewollt hat.

» Pfarrer Stefan Korn