Wenn der Adventskranz mit uns redet

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt.
Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann steht das Christkind vor der Tür.

Dieses alte Kindergedicht kennen wir alle. Wichtigstes Symbol der Adventszeit sind die vier Kerzen. Zu den vier Kerzen gehört der Adventskranz.
Das war schon immer so. Oder nicht?
Der Adventskranz, wie wir ihn kennen, ist aller Wahrscheinlichkeit nach dem Theologen und Erzieher Johann Hinrich Wichern zu verdanken, der den grünen Kranz mit den strahlenden Lichtern in Hamburg zum vorweihnachtlichen Brauchtum erhob.
1839 hing zum ersten Mal ein Adventskranz im Betsaal eines Hauses, in dem Wichern sozial vernachlässigte und gefährdete Jugendliche betreute. Es war damals ein Holzkranz mit 23 Lichtern, 19 kleinen roten Kerzen und vier großen weißen Kerzen.
Und jeden Tag zur Andacht wurde eine neue Kerze angezündet, bis am 24. Dezember alle Lichter festlich die Ankunft Jesu anzeigten.

Auf dem Bild halte ich einen ungewöhnlichen Adventskranz in den Händen, der an den Holzkranz von Wichern erinnert, nur kleiner. Er dürfte etwa aus dieser Zeit stammen, vielleicht aus der Zeit um 1900. Ein Holzrad, ursprünglich grün angemalt, mit vier Nägeln versehen zum Aufstecken von vier dicken Adventskerzen. Gefunden wurde dieser alte Adventskranz bei der Entrümpelung im Kellergewölbe des alten Gemeindehauses der Heilig-Geist-Kirche in Dresden. Das Inventar, alles Mögliche aus Räumen und Kellern, wurde versteigert. Mein Bruder, der dort wohnt, hat Wind von der Sache bekommen und für mich diesen Adventskranz gesehen und ersteigert. Die Wachsspuren auf dem Holzreif zeigen eindeutig, dass einmal in den Zwischenräumen neben den 4 größeren 20 kleinere Kerzen auf dem Rund aufgesetzt waren, ähnlich also wie bei Wicherns Adventskranz in Hamburg (da waren es aber „nur“ insgesamt 23 Kerzen).
Das Grün ist schon stark abgeblättert, aber noch zu sehen. Wie lange mag er Kirchenbesuchern im Kirchsaal geleuchtet und sie erfreut haben?
Welche Bedeutung haben die Symbole des Adventskranzes für uns heute?
Das erste Symbol, das ins Auge fällt, ist der Kreis.
Er hat keinen Anfang, kein Ende. Er steht für den Kreislauf des Lebens, der fortdauernden Schöpfung Gottes. Zeugung, Geburt, Leben und Tod, Heimkehr zum Ursprung, es geht in ein neues ewiges Leben hinein, unser Leben bricht nicht irgendwann ab ins Leere oder in das Nichts. Unser ganzes Leben ist in diesem Kreis aufgehoben. Der Kreis wird nicht unterbrochen. Wir bleiben in der Ewigkeit Gottes geborgen. Und so redet der Adventskranz zu uns von der Hoffnung, von dem Vertrauen, dass wir immer von Gott begleitet werden.
Bürge für diese Hoffnung ist Jesus Christus, auf dessen Geburtstag wir uns in diesen Tagen vorbereiten.
Die Adventskränze können etwas. Sie können reden. Mehr über den Adventskranz erfahren Sie im Familiengottesdienst am 1. Advent in der Lutherkirche, in dem auch Kinder und Erwachsene getauft werden.
Eine gesegnete und frohe Advents- und Weihnachtszeit
Ihr Pfarrer Stefan Korn